Blog2026-08-13T21:43:43+02:00

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Ab und an berichtet Dr. Itariu hier von den Dingen, die sie beschäftigen.

Lange Rede, kurzer Sinn? — Gedanken über Longevity

Ich war zu einer Paneldiskussion heute eingeladen zum Thema Longevity. Die Moderation war total gut! Es ging aber auch um Abnehmspritzen und Adipositas, um Verhältnisprävention und um einiges mehr. In Vorbereitung für diesen Panel habe ich einiges recherchiert und mit Gedanken dazu gemacht. Diese Gedanken und diese Recherche wollen irgendwo raus, also nehme ich sie im Blog rein. Fällt in der Kategorie TL;DR.

Ich bin keine Longevity Expertin. Ich habe 2014 ein Review im Journal Gerontology publiziert und dabei meinen größten Conflict of Interest in der Longevity-Debatte entdeckt, nämlich, dass mich dieses Forschungsfeld leider Nüsse interessiert! Andere Forschungsgebiete beschäftigen sich mit der Frage, ob Altern eine Krankheit ist oder nicht. Meine Meinung dazu ist klar: Altern ist genauso wenig eine Krankheit wie die Kindheit. Unser Leben ist endlich. Genauso wie ein Buch, das nicht zu Ende gelesen wurde, kann auch ein Leben nicht zu Ende gelebt werden. Viele Verstorbene aus meinem Familien- und Freundeskreis hatten noch so vieles vor. Nur bei meiner Großmutter vom Dorf hatte ich den Eindruck, dass sie in Frieden abgeschlossen hat. Ihr Buch wäre fertiggelesen und schön.

Bei mir war’s auch mal fast so weit, dass das Buch abrupt ungelesen bleibt. Bei der Geburt meines zweiten Kindes wäre ich beinahe verblutet. Da lag ich im OP Saal nahezu ohnmächtig. Als gläubige Christin hatte ich erstaunlicherweise keine Angst vor dem Tod. Es war entweder der Glaube oder das Fentanyl, das ich bekommen hatte, aber ich lag und betete, dankbar für das schöne Leben, das ich bisher leben durfte. Meine Bitte an Gott war, für meine Kinder da sein zu können, sie aufwachsen zu sehen. „Gegrüßet seist du, Maria“, tatsächlich hat mir Maria, meine Gynäkologin das Leben gerettet. Als ich sie im Aufwachraum sah, war mein erster Gedanke, dass uns Heilige im echten Leben mehr begegnen als in der Kirche.

Was gibt’s zu Longevity zu sagen? Der Begriff „Longevity“ hat wissenschaftliche Grundlagen, aber es wird zunehmend kommerzialisiert. Die Geroscience-Hypothese postuliert, dass die Gesundheitsspanne (healthspan) durch gezielte Einflüsse in fundamentale Alterungsmechanismen verlängert werden kann, anstatt jede altersbedingte Erkrankung einzeln zu behandeln. Früher kauften Menschen Ablässe für ihre Sünden. Heute kaufen sie Supplemente. Wann wird der Diskurs gefährlich? Wenn er gesellschaftliche Ungleichheit individualisiert. Wenn er so tut, als wäre Lebenserwartung primär eine Frage persönlicher Entscheidungen. Dabei wissen wir: Lebenserwartung ist genetisch, strukturell, sozioökonomisch determiniert. Arbeitsverhältnisse, Wohnverhältnisse, Schadstoffbelastung, Stress durch Armut — das sind die Treiber. Der Longevity-Diskurs richtet sich an eine Mittelklasse, die ohnehin länger lebt. In dieser Bubble bleibt am Ende des Monats Geld am Konto.

Beim Panel wollte niemand Supplemente verkaufen, Gott sei Dank! Wir waren uns sogar einige, dass es einige Dinge gibt, die nichts oder wenig kosten und viel bringen: ausreichende Bewegung zum Beispiel ist die stärkste Einzelintervention überhaupt. 150 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche (z.B. zügiges Gehen) reduziert altersbedingte Erkrankungen, verbessert vaskuläre Biomarker und verlängert die Lebensspanne. Krafttraining ist super wichtig! Dass wir uns als Spezies bewegen müssen ist für mich aber artgerechte Haltung. Mediterrane Ernährung reduziert die Gesamtmortalität um 15-20% je nach […]

24. April 2026|
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